Alternativen zum Personalvermittler: 6 Wege für gewerbliche Stellen
Für gewerbliche Stellen gibt es sechs Alternativen zum Personalvermittler: Zeitarbeit, Jobbörsen, die Arbeitsagentur, Mitarbeiter werben Mitarbeiter, Vermittler mit Festpreis und Social Recruiting.
Welcher passt, hängt an zwei Fragen: Wie schnell muss jemand anfangen? Und wie oft besetzt ihr dieselbe Stelle?
Zum Vergleich: Personalberater berechnen im Schnitt 27,5 % des Zieleinkommens (BDU, 2024).
ÜberblickDie sechs Wege im Überblick
| Weg · gut für | Kosten |
|---|---|
| ZeitarbeitLücken, die sofort gefüllt sein müssen | Stundensatz des Verleihers; bei Übernahme bis zu 2 Monatsgehälter |
| JobbörsenBewerber, die aktiv suchen | StepStone ab 1.449 € je Anzeige; Indeed 3 Anzeigen im Monat kostenlos |
| Arbeitsagenturjede Stelle, als Grundlage | kostenlos |
| Mitarbeiter werben MitarbeiterBerufe, in denen man sich kennt | Prämie, meist 501–1.000 € |
| Vermittler mit Festpreiseinzelne Fachkraft mit Garantie | ab 3.000–5.000 € je Einstellung |
| Social Recruitingdieselben Berufe laufend, an vielen Standorten | Festpreis je Stelle ab 700 € |
| Zum Vergleich: PersonalberaterFach- und Führungskräfte | im Schnitt 27,5 % des Zieleinkommens |
| Stand 29.10.2026 · Quellen am Ende des Artikels | |
01Zeitarbeit
Kosten. Ihr zahlt dem Verleiher einen Stundensatz, der auf dem Tariflohn aufsetzt. Der Tarif DGB/GVP sieht für Helfer 15,33 € pro Stunde vor (ab 01.09.2026). Wie hoch der Aufschlag ist, veröffentlicht die Branche nicht. In einer Befragung für das Bundesarbeitsministerium schätzten Entleihbetriebe den Anteil der Verleihgebühr an den Kosten im Median auf 25 %.
Gut für. Lücken, die ab morgen gefüllt sein müssen, Auftragsspitzen und eine Probezeit vor der Festanstellung.
Haken. Der Aufschlag läuft jede Stunde mit. Spätestens nach neun Monaten – mit tariflichem Stufenplan nach 15 – gilt gleicher Lohn wie für eure Stammbelegschaft, nach 18 Monaten endet die Überlassung beim selben Betrieb (§ 8 und § 1 AÜG). Wollt ihr jemanden übernehmen, darf der Verleiher eine Provision verlangen: höchstens zwei Bruttomonatsgehälter, sinkend mit der Einsatzdauer, nach einem Jahr null (BGH III ZR 156/19 und III ZR 51/21).
02Jobbörsen
Kosten. Bei StepStone kostet eine Anzeige ab 1.449 € für 30 Tage. Bei Indeed sind seit Dezember 2025 bis zu drei Anzeigen im Monat kostenlos; gesponserte Anzeigen rechnet Indeed je Klick oder begonnener Bewerbung ab, einen festen Preis veröffentlicht es nicht.
Gut für. Bewerber, die aktiv suchen. Fachkräfte ohne Hochschulabschluss nutzen Indeed (36 %) und StepStone (22 %) häufig bei der Jobsuche.
Haken. Ihr erreicht nur, wer gerade sucht, und zahlt für die Anzeige oder den Klick – nicht für eine passende Bewerbung. Bei vielen gleichen Stellen an mehreren Standorten summieren sich die Anzeigen.
03Arbeitsagentur
Kosten. Keine. Der Arbeitgeber-Service berät und vermittelt kostenlos (§ 42 SGB III). Ihr könnt eine Stelle selbst in der Jobsuche der Agentur veröffentlichen, in der Bewerberbörse suchen oder einen Vermittlungsauftrag geben.
Gut für. Jede Stelle, als Grundlage – sie kostet nichts außer Zeit.
Haken. Die Reichweite. Laut einer forsa-Umfrage nutzen 87 % der Personalentscheider die Arbeitsagentur, aber nur 41 % der gewerblichen Beschäftigten suchen dort eine Stelle.
04Mitarbeiter werben Mitarbeiter
Kosten. Eine Prämie für die Empfehlung, meist zwischen 501 und 1.000 € (Radancy-Studie, 335 Unternehmen weltweit). Veröffentlichte Programme zahlen zum Beispiel 500 € brutto für angelernte Tätigkeiten oder 1.000 € brutto bei einem Pflege- und Sozialträger, oft erst nach der Probezeit. Die Prämie ist steuer- und sozialversicherungspflichtig.
Gut für. Berufe, in denen man sich kennt. 61 % der gewerblichen Beschäftigten suchen über private Kontakte. In einem Feldversuch in einer Lebensmittelkette sank mit dem Empfehlungsprogramm sogar die Fluktuation um 15 %.
Haken. Die Menge ist durch das Netzwerk eurer Belegschaft begrenzt. Und derselbe Feldversuch zeigt: Höhere Prämien bringen mehr Empfehlungen, aber schlechtere.
05Vermittler mit Festpreis
Kosten. Ein fester Betrag je Einstellung statt eines Prozentsatzes. Veröffentlichte Preise beginnen bei 3.000 € netto für Pflegehilfskräfte und bei 4.999 € bzw. 5.000 € für Fachkräfte. Ein Verbandstext nennt für Fachkräfte 4.000–10.000 €, ausdrücklich als grobe Richtwerte.
Gut für. Eine einzelne, schwierige Fachkraftstelle, bei der ihr die Suche abgeben und eine Garantie wollt.
Haken. Es bleibt ein Preis je Kopf: Drei Einstellungen kosten dreimal. Für Aushilfs- und Saisonstellen ist das Modell nach Aussage eines Anbieters selbst selten wirtschaftlich.
06Social Recruiting
Das ist unser Weg. Wir schreiben eure Stelle im Umkreis jedes Standorts aus – in sozialen Netzwerken, auf Google und weiteren Kanälen – und justieren laufend, während die Anzeige läuft. Manche nennen das auch Performance Recruiting. Bewerber fragen wir per WhatsApp vorab und übergeben die Passenden in euer Bewerbermanagement.
Kosten. Ein Festpreis je Stelle für 30 Tage, all-inclusive: ab 700 € für Logistik und Gastronomie, ab 1.248 € für Büro, Handwerk und Bau, ab 1.920 € für Pflege, Gesundheit und IT. Eine qualifizierte Bewerbung – eine, die alle Muss-Kriterien erfüllt – kostete im Median 104 €, in der Logistik 35 €, in Produktion und Handwerk 80 €, in der Gesundheit 162 € (Recruiting-Benchmark 2026, 818 Kampagnen).
Gut für. Dieselben Berufe, die ihr laufend und an mehreren Standorten besetzt – vom Fahrer über die Pflegekraft bis zum Techniker. Ihr zahlt pro Stelle, nicht pro Kopf: Stellt ihr aus einer Stelle drei Leute ein, kostet das nichts extra.
Haken. Wir liefern Bewerbungen, nicht die Einstellung. Die Gespräche und die Auswahl macht ihr selbst, und der Festpreis gilt für die Kampagne, nicht für eine Einstellung. Den Vergleich mit Rechner für eure Stelle findet ihr auf der Seite Alternative zu Headhunter und Personalvermittler.
EntscheidungWelcher Weg passt zu welcher Stelle?
| Eure Lage | Passender Weg |
|---|---|
| Jemand fehlt ab morgen, für Wochen oder Monate | Zeitarbeit |
| Einzelne Stelle, Bewerber suchen aktiv | Jobbörse und Arbeitsagentur |
| Eure Leute kennen passende Kollegen | Mitarbeiter werben Mitarbeiter |
| Eine schwierige Fachkraftstelle, ihr wollt eine Garantie | Vermittler mit Festpreis |
| Dieselben Berufe laufend, an mehreren Standorten | Social Recruiting |
| Führungsposition oder seltene Spezialisten | Personalberater |
Die Wege schließen sich nicht aus. Die Arbeitsagentur und eine Empfehlungsprämie kosten wenig und laufen neben allem anderen. Entscheidend ist, wofür ihr das größte Budget ausgebt: für einzelne Köpfe oder für Stellen, die immer wieder aufgehen.
Was ein Personalvermittler im Einzelnen kostet, steht in unserem Artikel Personalvermittler & Headhunter Kosten.
FAQHäufige Fragen.
Sechs Wege: Zeitarbeit, Jobbörsen, der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur, Mitarbeiter werben Mitarbeiter, Vermittler mit Festpreis und Social Recruiting. Welcher passt, hängt davon ab, wie schnell jemand anfangen muss und wie oft ihr dieselbe Stelle besetzt.
Der Verleiher darf eine Vermittlungsprovision verlangen, aber nur gestaffelt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sind höchstens zwei Bruttomonatsgehälter angemessen, und der Betrag muss mit der Einsatzdauer sinken – nach zwölf Monaten Überlassung ist er null (BGH III ZR 156/19 und III ZR 51/21). Maßgeblich ist das Gehalt beim neuen Arbeitgeber.
Kostenlos sind der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur (§ 42 SGB III), bis zu drei Anzeigen im Monat bei Indeed und Stellen in Google for Jobs über die eigene Karriereseite. Der Haken ist die Reichweite: Laut einer forsa-Umfrage nutzen 87 % der Personalentscheider die Arbeitsagentur, aber nur 41 % der gewerblichen Beschäftigten suchen dort.
Selten. Fachkräfte ohne Hochschulabschluss nutzen Xing (18 %) und LinkedIn (15 %) bei der Jobsuche nur halb so oft wie Akademiker (32–33 %), so der Trendence Trend Report Recruiting 2023 mit 42.817 Befragten. Wer Fahrer oder Lagermitarbeiter sucht, erreicht sie eher über Jobbörsen, Empfehlungen und soziale Netzwerke.
Bei einzelnen, schwer zu besetzenden Fach- und Führungsstellen, für die ihr eine Garantie wollt. Laut BDU lag der größte Teil der Besetzungen durch Personalberater 2024 im Einkommensbereich 100.000–150.000 €. Für Stellen, die ihr laufend besetzt, rechnet sich ein Preis je Kopf selten.
QuellenQuellen
- Personalberater-Honorar 27,5 % (2024), Einkommensbereich der Besetzungen: BDU, Pressemitteilung vom 27.08.2025, bdu.de
- Tariflohn Zeitarbeit: Entgelttarifvertrag DGB/GVP ab 01.01.2026, dgb.de
- Anteil der Verleihgebühr: BMAS-Forschungsbericht 614 (2022), Befragung von 1.147 Entleihbetrieben
- Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer: § 8 Abs. 4 und § 1 Abs. 1b AÜG, gesetze-im-internet.de
- Übernahmeprovision: BGH, Urteile vom 05.11.2020 (III ZR 156/19) und 10.03.2022 (III ZR 51/21)
- StepStone-Preise: stepstone.de, abgerufen 29.10.2026 · Indeed-Preismodell: indeed.com, abgerufen 29.10.2026
- Kostenlose Vermittlung der Arbeitsagentur: § 42 SGB III, gesetze-im-internet.de
- Nutzung der Arbeitsagentur und privater Kontakte: forsa für onlyfy, berichtet in Personalwirtschaft vom 17.11.2023
- Jobsuche von Fachkräften ohne Hochschulabschluss: Trendence Trend Report Recruiting 2023, n = 42.817, berichtet in Personalwirtschaft vom 12.06.2023
- Empfehlungsprämien: Radancy-Studie 2023, berichtet in Personalwirtschaft vom 21.11.2023; Steuer und Sozialversicherung: Haufe Personal Office
- Feldversuch zu Empfehlungsprogrammen: Friebel, Heinz, Hoffman, Zubanov, Journal of Political Economy 131 (3), 2023
- Festpreise: Angaben der Anbieter BRO Recruiting und Sanapol (abgerufen 29.10.2026); Richtwert: GVP, „Rechtliche Aspekte der Personalvermittlung“, 11.04.2022
- TalentBait-Preise und Kosten je qualifizierter Bewerbung: Recruiting-Benchmark 2026, 818 Kampagnen, Datenfenster 05/2024–04/2026
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